Liebig 14 richtet sich vor dem Rathaus ein

Etwa 30 Bewohner_innen und Unterstützer_innen des räumungsbedrohten Hausprojekts Liebigstr.14 haben heute 14 Uhr ein neues Wohnzimmer vor dem Roten Rathaus eingeweiht. Mit der Aktion wiesen sie daraufhin, dass es sich bei der drohenden Räumung ihres Wohnraums nicht in erster Linie um ein privatrechliches, sondern um ein politisches Problem handelt. Eine Bewohnerin dazu: „Die Stadt hat unseren Wohnraum an diesen Hausbesitzer verkauft, somit trägt sie auch Verantwortung für das was bei uns passiert. Aber diese Aktion ist vorerst nur symbolisch. Das wird sich ändern, falls wir wirklich geräumt werden sollten.“
Des weiteren wandten sie die Wohnzimmeraktivist_innen gegen eine Stadtpolitik, die den innerstädtischen Wohnraum zugunsten der Besserverdienenden aufwertet und Menschen mit geringem Einkommen immer mehr an den Stadtrand drängt.
Nach etwa einer Stunde wurde das Wohnzimmer aufgrund zunehmender Polizeipräsenz zur Weltzeituhr verlegt.

Fotos und das verteilte Flugblatt finden Sie im Anhang.
Weitere Informationen auf http://liebig14.blogsport.de

Flyertext:
Hallo…

Fragen Sie sich, was wir hier machen? Warum wir nicht auf Arbeit, an der Uni oder Zuhause sind? Weil unser Zuhause, das vor 20 Jahren besetzt und vor 18 Jahren legalisiert wurde, jeder Zeit geräumt werden kann: Die Liebigstr. 14.

Als Antwort auf diese Bedrohung, haben wir heute unser Wohnzimmer ins Zentrum dieser Stadt verlegt. Im Moment, in dem unser Wohnraum noch nicht den Profitinteressen der Hausbesitzer weichen musste, geben wir einen Vorgeschmack auf das, was kommen wird. Doch im Fall einer Räumung werden wir überall sein: in den großen Einkaufsstraßen, den kulturellen und politischen Hotspots, den Zentralen wichtiger Firmen, den Bürotürmen und den schicken Lofts, die 2000 Euro im Monat kosten und die sich keine_r, den/die wir kennen, leisten kann.

Berlin wird schicker und teurer und die Leute mit den dickeren Konten nehmen sich Stück für Stück die ganze Stadt. Nach einer Räumung werden wir keine bezahlbare Wohnung mehr im Stadtbezirk Friedrichshain finden.

Aber wir werden uns nicht in Luft auflösen.

Und wir sind nicht allein! Die rasant steigenden Mieten und die Umwandlung von Mietwohnraum in Eigentumswohnungen oder Gewerberäume vertreiben zehntausende Menschen aus der Innenstadt. Aber selbst in den Außenbezirken steigt der Anteil der Miete an den sinkenden Realeinkommen. So gerechnet, ist Berlin bei Neuvermietungen schon heute teurer als München.

Zum Glück gibt es in dieser Stadt recht viele Leute, die sich gegen diese Zustände auf unterschiedlichste Weise zur Wehr setzen. Als Hausprojekt, wo sich alle Bewohner_innen gleichberechtigt an einen Tisch setzen, haben wir ganz gute Möglichkeiten, das gemeinsam zu tun. Aber gerade deshalb sind wir unseren Vermietern ein so großer Dorn im Auge, das sie 10 Jahre lang nichts unversucht gelassen haben, uns rauszuwerfen. Dass sie damit nun auf rechtlicher Ebene durchgekommen sind, heißt noch längst nicht, dass es einfach wird für sie. Denn unsere drohende Räumung ist eben nicht nur eine rechtliche Frage, sondern ein politisches Problem; nicht zuletzt, weil die städtischen Wohnungsbaugesellschaften unseren Wohnraum an genau diese Eigentümer verscherbelt haben.

Große Wohnzimmer für Alle!
Steigende Mieten stoppen!
Liebig14 forever!