Liebig 14 – the show must go on…

Leben im Ungewissen

Unser Antiräumungsfestival ist nun seit drei Monaten Geschichte. Wir danken nochmals allen Beteiligten für das großartige Feuerwerk,hoffen aber, dass noch nicht alles Pulver verschossen ist. Denn die Geschichte geht weiter. Die Liebig14 steht noch und wird auch weiterhin von uns bewohnt. Wir befinden uns in einem seltsamen Schwebezustand zwischen Räumungstitel und Räumungsbescheid. Das heißt konkret, dass wir zwar alle Prozesse verloren haben und gekündigt sind, die Eigentümer Suitbert Beulker und Edwin Thöne es aber offensichtlich noch nicht auf die Reihe gekriegt haben, beim Gerichtsvollzieher einen Räumungstitel zu erwirken. Wir können nur spekulieren, warum das so ist. Hat Beulker kein Geld oder Thöne Angst um seine Reputation? Wir wissen es nicht und selbst der Kaffeesatz in unseren Gemeinschaftsküchen hat uns bisher keine weiteren Erkenntnisse gebracht. Genauso wenig können wir vorhersagen, wann der Brief vom Gerichtsvollzieher in unseren Briefkasten flattern wird. Das Leben unter diesen Bedingungen ist einigermaßen zermürbend. Immerhin haben wir anscheinend noch etwas Zeit, gegen unsere drohende Räumung zu kämpfen.

Der Runde Tisch

Eine Ebene dieses Kampfes (gegen unsere drohende Räumung) war und ist es, die Sache zu einem stadtpolitischem Problem zu machen, was uns zumindest auf Bezirksebene auch gelungen ist. Am 28. 1., zeitgleich mit dem Beginn des Festivals fand deshalb ein erster Runder Tisch mit Politiker_innen Verschiedener Ebenen und Parteien unter Vermittlung der Auferstehungsgemeinde statt.
Auch wenn wir der Meinung sind, dass den Politiker_innen nicht zugetraut werden kann, sich ernsthaft für uns einzusetzen. Erfahrungsgemäß wird nur soweit etwas getan, wie es die betroffenen Politiker_innen für ihre Reputation als notwendig oder förderlich ansehen. Aber da wir aus der Stadtpolitik der letzten Jahre und auch konkret in Bezug auf die Liebig14 der Ansicht sind, dass diese mit ihrer gewinnorientierten Privatisierungsstrategie maßgeblich für unsere Situation verantwortlich sind, wollen wir diese Ebene auch nicht einfach außen vorlassen. sondern auch hier fordern, dass die Politiker_innen sich an ihren Versprechungen messen lassen und dem Ausverkauf der Stadt entgegenwirken.
Zwar erschienen weder Beulker noch Thöne zu den Verhandlungen, dennoch konnten verschiedene unserer Vorstellungen einer Re-Legalisierung, etwa durch Kauf mit Hilfe einer Stiftung oder einer städtischen Wohnungsbaugesellschaft, mit den Teilnehmer_innen des Runden Tisches sondiert werden. Um diese Möglichkeiten drehten sich auch die Gespräche an den Folgeterminen. Gut drei Monate später, müssen wir leider feststellen, dass sich die Eigentümer, trotz mehrfachen Anfragen von verantwortlichen Politiker_innen, weiterhin jeglicher (friedlichen) Lösung verweigern. Auch die in Regierungsverantwortung stehende SPD glänzte, trotz mehren Zusagen von Bezirks- und Senatspolitiker_innen, durch Abwesenheit. Hier folgt die SPD ganz der
Linie von Frau Junge-Reyer, Senatorin für Stadtentwicklung, die der Öffentlichkeit ein Berlin vorlügt, in dem weder die Gentrifizierung von größten Teilen der Innenstadt voranschreitet bzw. abgeschlossen ist, noch eine ernsthaftes Wohnungsproblem besteht.
Nachdem nun der 1. Mai vorüber ist, befürchten wir, dass sich Innensenat und Büttel die Hetze der bürgerlichen Presse gegen Autonome, Chaoten und Linksextreme zu Nutze machen werden, um die Räumung unseres Freiraums zu versuchen, da sie denken, der Widerstand würde nun weniger vehement ausfallen

Soziale Bewegung

Jenseits der offiziellen Politik begreifen wir uns weiterhin als Teil einer Bewegung gegen die Umstrukturierung der innerstädtischen Bezirke zu Vierteln für die „bessere“ Gesellschaft, gegen die drastischen Mieterhöhungen der letzten Jahre, für selbstbestimmtes Wohnen und für linke, unkommerzielle Räume. Wir sind uns im Klaren, dass nicht nur gegen die Bewohner_innen von Freiräumen und auch in anderen Bezirken Verdrängungsprozesse stattfinden bzw. stattgefunden haben. Wir sind jedoch der Meinung, dass der Kampf um die Liebig14 spätestens seit dem Festival einen gewissen Symbolcharakter hat und und wir auch andere Mieter_innen ermutigen können, sich zu wehren. Wir kämpfen für ein Klima in der Stadt, in dem Kündigungen und Mieterhöhungen gegen einen entschlossenen Widerstand nicht durchzusetzen sind.
Wir verteidigen weiterhin unser Bedürfnis, jenseits der sterilen Kaufhauswelt, gemeinsam solidarisch leben und arbeiten zu können, sowie einen Raum für Menschen zu bieten, die von der Gesellschaft ausgeschlossen oder diskriminiert werden.

Unterstützung

Wie ihr euch vorstellen könnt, ist das alles mit sehr viel Arbeit verbunden, die uns manchmal auch überfordert. Wir sind deshalb dankbar für jegliche Hilfe.

Wirkungsvolle Unterstützung könnte z.B. so aussehen:

die ganzen verlorenen Gerichtsprozesse, aber auch die politische Arbeit kosten Geld – organisiert Solipartys.

organisiert Veranstaltungen verschiedenster Art in unseren öffentlichen Räumen

organisiert Solidaritätsaktionen. Seit kreativ und haltet eure Augen und Ohren offen für angekündigte Aktionen.

organisiert euch in Initiativen wie dem Mietenstopp-Bündnis oder der WBA oder gründet selbst welche.

tretet mit uns in Kontakt: liebig14@riseup.net

Gemeinsam sind wir unausstehlich. Mögen sie sich an uns die Zähne aus beißen!
Liebig14 forever!