Intersquat Festival 2010 in Berlin

gartenstrfreiburgNach Paris im Jahre 2008 und Rom 2009 findet dieses Jahr das Intersquat Festival 2010 in Berlin statt. Die Idee dahinter ist: Durch eine Mischung aus Kunst, Kultur und Politik verschiedene Gruppen und Einzelpersonen zusammenzubringen, sich auszutauschen, zu vernetzen oder einfach eine schöne Zeit miteinander zu verbringen. gartenstrfreiburgDementsprechend gestaltet sich ein vielfältiges Programm, bestehend aus Workshops, Diskussionsveranstaltungen, künstlerischen Performances, Konzerten und Ausstellungen. Eigeninitiative ist dennoch immer gerne gesehen, um das Programm in unterschiedliche Richtungen zu erweitern oder um die Organisationsstruktur zu unterstützen. Eingeladen wird weltweit, wobei sich – ganz im Sinne des D.I.Y.-Prinzips – in verschiedenen europäischen Städten bereits konkreter vorbereitet wird. Um eine Vernetzung zu gewährleisten, sind wir noch auf der Suche nach einem zentralen Gelände für ein Camp, auf dem ein Großteil der Veranstaltungen stattfinden wird. Jedoch werden auch die Räumlichkeiten verschiedener Berliner Projekte genutzt.

Rückblick Intersquat Festival 2009

Vom 16.-18. Oktober 2009 fand im Forte Prenestino in Rom das dreitägige Intersquat Festival statt. Das Forte Prenestino ist ein fester Bestandteil der italienischen Squatter_innenszene und erstreckt sich über 6 Hektar einer ehemaligen Militärkaserne. Durchschnittlich waren 1000 Menschen pro Tag vor Ort. Themen die diskutiert wurden, reichten von Justiz und Polizei, über Gesundheit und Soziales, bis hin zu Kultur und Medien.

Programm Intersquat Festival 2010

Lasst uns unsere Vorstellungen und Utopien vom freien wilden Leben teilen! Das Festival wächst durch eure Beteiligung. Ihr wollt eine Infoveranstaltung oder einen Workshop gestalten, eine Diskussionsrunde initiieren, eure Musik oder Kunst zeigen oder habt noch andere Ideen und Themenvorschläge für das Festival? Meldet euch unter: intersquat-berlin@riseup.net

Bereits geplant sind Informations- und Diskussionsveranstaltungen unter anderem zu den Themen Gentrifizierung und Ausgrenzung, Polizeigewalt, Medienaktivismus und Konsens-Kommunikation. Aber auch praktische Workshops werden nicht zu kurz kommen. So sind Lock Picking Workshops, Self-Defence Workshops und Aktionstrainings geplant. Außerdem bietet das Festival auch Platz um diverse Projekte vorzustellen.

Des Weiteren wird es verschiedene Fotoausstellungen geben. Die G8 Proteste in Turin, die Besetzung der Foundry Bar in London und das Topf & Söhne Squat in Erfurt u.a. werden auf dem Festival in Szene gesetzt.
Weitere Kunst- und Kulturbeiträge sind Theaterperformances, Musik und Konzerte. Eine genaue Übersicht entnehmt doch einfach unserem öffentlichen Wiki. Dort könnt ihr auch einfach eure eigenen Ideen eintragen.

Konzept Intersquat Festival 2010

Die Möglichkeiten ein selbstbestimmtes Leben zu führen, werden kontinuierlich eingeschränkt, viele vorhandene Freiraumstrukturen sind akut bedroht. Dadurch verschwinden Räume und auch damit verbundene Möglichkeiten, selbstbestimmt Alternativen zu bestehenden Verhältnissen erfahrbar zu machen und zu leben, sich zu organisieren, zu diskutieren und auszutauschen. Aus unserer Sicht ist eine umfassende Kritik an Kapitalismus, Herrschaft und damit einhergehenden Strukturen notwendig. Darum wünschen wir uns eine Diskussion um Alternativen, sowie eine offene Auseinandersetzung und einen Austausch über Gegenpraktiken zur Diskriminierung von Lebewesen.

Freiräume sind für uns Orte, an denen sich alle Lebewesen frei von Diskriminierung aufgrund von Geschlecht, Hautfarbe, Sexualität, Geld oder anderen von der Gesellschaft konstruierten Ungleichheiten bewegen können. Weil Formen der Unterdrückung in unserer Gesellschaft alltäglich vorkommen, ist es wichtig, Räume zu schaffen und zu erhalten, in denen diese nicht akzeptiert, sondern diskutiert und reflektiert werden. Sie sollten das Ausleben der eigenen Identität und die freie Entfaltung von Lebensentwürfen ermöglichen. Wir versuchen eine Loslösung davon zu praktizieren, Bewusstsein zu schaffen und zu sensibilisieren.

Die „Aufwertung“ von Städten zwingt nicht nur alternative Lebensräume weltweit dazu rentablen Objekten zu weichen: Wo neue Häuser gebaut
werden und alte Gebäude im Glanz profitabler Totalsanierungen erstrahlen, kommt es unausweichlich zu einer Steigerung der Mietpreise. Dadurch erfolgt eine Verdrängung von Geringverdienenden und strukturell diskriminierten Gesellschaftsmitgliedern in Randgebiete. Die sogenannte Gentrifizierung wird uns früher oder später alle einholen, wenn wir uns ihr nicht entgegenstellen.

Bewegungen, die sich diesen gesellschaftlichen Missständen entgegensetzen werden oftmals kriminalisiert. Durch repressive Maßnahmen wird ihr Aktionspotential gedämpft. Um auf diese Maßnahmen besser reagieren zu können und die Freiraumbewegung stärker und handlungsfähiger zu machen, ist auf dem Festival ein Raum vorhanden, um uns untereinander besser zu vernetzen und uns verstärkt miteinander zu solidarisieren.

Innerhalb eines vielfältigen und kraftvollen kreativen Festival-Rahmens wird es viel Platz geben für selbstorganisierte Aktionen, Diskussionsrunden, Workshops, Informationsveranstaltungen, Ausstellungen, Musik und Kunst als Protest- oder Widerstandsform bzw. spontan entstehende Ideen. Außerdem wird es auf dem Festival einen Umsonstflohmarkt geben, der die kapitalistische Logik von Wert und Gegenwert durchbrechen soll.

Anstöße für gemeinsame Diskussionen und das Suchen nach Lösungsansätzen könnten sein:

Wie äußert sich Gentrifizierung in den verschiedenen Städten?
Wie steht es um Squats weltweit?
Wie können wir uns untereinander besser vernetzen?
Wie können wir mit unseren Protest- und Aktionsformen auf größere Solidarität stoßen?

Da die Freiraumthematik sehr komplex ist und unter sich eine große Bandbreite anderer Themen, wie z.B. Kapitalismuskritik, Anti-Sexismus und die Ablehnung von Herrschaft beinhaltet, steht es außer Frage, dass das Festival auch einen offenen Raum für diese bietet.

Sexismus, Rassismus, sowie alle anderen Formen von Diskriminierung und die Verklärung hierarchischer Strukturen werden auf dem Festival selbstverständlich weder toleriert noch akzeptiert!!!