Wir, das ultralinke Ex-MieterInnen-Kollektiv der Liebigstraße 14, freuen uns, Euch mitzuteilen:

Dass wir es endlich geschafft haben, uns neu einzurichten in unseren luxuriösen 1-Zimmer Appartements mit den dazugehörigen 35-Stunden Jobs.

Nachdem man uns, vor einem halben Jahr, aus unserem Haus geschliffen hat, waren wir erst etwas melancholisch gestimmt. Rasch jedoch erkannten wir die positive Seite und sahen darin eine Chance, unser Leben umzukrempeln! Wir fühlen uns jetzt wieder mehr verbunden mit der Gesellschaft und schlafen ruhig – wissend, dass wir zu diesem (sogar noch größeren) Kollektiv etwas mit unseren regelmäßigen Steuerabgaben beitragen können.

Es ist jetzt einfach einfacher. Wir müssen nicht mehr soviel nachdenken, wie wir leben oder wohnen wollen.

Unsere neuen ChefInnen und HauseigentümerInnen tun das nun für uns.
Wir beobachten, dass unser altes Haus in verschiedene Wohneinheiten aufgeteilt wird.

Ehrlich gesagt, war es vorher sowieso zu chaotisch. 25 Menschen nutzten zusammen, diese große Wohnfläche und morgens, auf dem Weg zum Bad, traf man all diese Stalinisten in der Küche und stolperte über die liegengebliebenen Junkies im Treppenhaus.

Nunmehr aber, sind wir freier als Individuen und suchen uns die Freunde passgenau zu unseren glänzenden Lebensstil.

Wir sind endlich Erwachsen geworden!

Die Liebig14 ist nun in Rigaerstraße 96 umbenannt worden. Ein Joint Venture, zur kleinen Weißwaschung der gewaltsamen Vergangenheit dieses Hauses.

Die neuen MieterInnen, die nun eingezogen sind, wollen über diese Vergangenheit auch nichts wissen. Mit ihren Einzug kommt jedoch endlich wieder Ordnung und Sicherheit in unsere Straßen. Die Raten der Mord- und Raubüberfälle sinken jetzt schon.

Fenster werden trotzdem noch eingeworfen.

Wir verstehen nicht, warum manche Menschen es nicht akzeptieren können, die unumgängliche Optimierung der Stadtteile voranzutreiben.

Trotzdem kommt in uns manchmal ein befremdliches Gefühl hoch.

Ist es Wut? Nostalgie? Einsamkeit?

Wir sind nicht ganz sicher, aber dass Gefühl geht vorbei.

Wir schauen optimistisch in die Zukunft.

Revolutionen In Nordafrika und dem mittleren Osten, Platzbesetzungen von Madrid bis Athen, die Unterschicht randaliert in Großbritannien…einige meinen wir leben in Zeiten der Auflehnung gegen Unrechtsgefüge.

Wir denken dazu:

Alles Kinderein, wir sind da zum Glück schon etwas weiter!


3 Antworten auf „Wir, das ultralinke Ex-MieterInnen-Kollektiv der Liebigstraße 14, freuen uns, Euch mitzuteilen:“


  1. 1 Icke_aus_Pankow 05. Oktober 2011 um 23:58 Uhr

    Hey! Freut mich, daß ihr gut untergekommen seid. Positiv denken ist immer gut und auch wichtig! Im Rückblick wird etwas „abwertend“ über L14 geschrieben und das jetzt alles besser ist. Kommt jedenfalls so rüber. Ist ja auch egal. Wünsche Berlin noch viele kreatie alternative Projekte! Laßt es euch gut gehen!

  2. 2 vic 13. Oktober 2011 um 18:56 Uhr

    ihr seid einfach super.
    hab euer Plakat in Friedrichshain erstmalig gelesen.
    danke. love.

  1. 1 Was ich auf dem Weg durch den Kiez entdeckte » Widerstand Berlin Pingback am 19. September 2011 um 9:30 Uhr
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