Zombies in der Liebigstraße

[english version below]

Berlin Friedrichshain 2013. Nieselregen. Nach besinnlichen Weltuntergängen und Feiertagen laufen wieder seltsame Gestalten mit starrem Blick durch die Straßen. Gullideckel heben sich, Staßenlaternen verlöschen. Im Feuerschein brennender Mülltonnen werden längst vergessene Rituale zelebriert. Von den Medien bewußt verschwiegen aber für viele Kiezbewohner_innen nicht zu übersehen:

DIE LIEBIG 14 IST UNTOT!

Mecklenburgische Str. 57 in Berlin Schmargendorf. Im Institut für angewandte Zombologie herrscht angespannte Ruhe. Institutspräsident Prof. Dr. Suitbert Franell ist besorgt. „Der Virus ist heimtückisch und wechselt ständig sein
Erscheinungsbild. Sollte ein Hausbewohner nach der letzten Mieterhöhung eine Hausversammlung einberufen wollen, melden sie es sofort dem Institut. Wir werden dann weitere Maßnahmen ergreifen. Gefährliche Ansteckungsherde sind auch sogenannte „Mieterberatungsstellen“ oder „Mieterinitiativen“, wie die „Palisaden-Panther“ oder „Kotti&Co“. Selbst hinter unscheinbar klingenden Namen wie „Stille Straße“ oder „Kirche von Unten“, verbergen sich allzu häufig nicht zu unterschätzende Gefahren. In den letzten Jahren hat auch die Verbreitung über die neuen Medien stark zu genommen. Webseiten wie
zwangsraeumung verhindern, mietenstopp oder wir bleiben alle sind nur die Spitze des Eisberges.

Das Institut hat Untersuchungsmethoden entwickelt um bei Zombiebefall wenigstens Aufläufe und Herdenbildung vorherzusagen. Dabei konnte festgestellt werden, daß gerade an bestimmten Daten und Orten besondere Gefahrenlagen entstehen. Augenfällig wird dies am 2. Februar an der Rigaer Ecke Liebigstr. (im Jargon einiger Infizierter auch „Dorfplatz“ genannt).

Dazu bemerkt der Experte:“Zwischen 12:00 und 16:00 MEZ werden sich Zombies aller Art auf eben diesem „Dorfplatz“ zusammenrotten und sich zunächst noch unscheinbar mit Kaffee, Glühwein und sogenannter „Vokü“ aufzuputschen, um dann lauthals in die von verschiedenen Musikern dargebotenen Hassgesänge gegen die Immobilienwirtschaft einzustimmen. Die von den dadurch entstehenden Schallwellen ausgehenden Gefahren sind noch nicht abschließend erforscht. Noch gefährlicher sind allerdings zu erwartende demonstrative Akte im Anschluss. Hier arbeitet unser Institut noch an einer effektiven Gegenstrategie.

Vorerst gilt es, folgende Regeln zu beachten:

- Halten sie Türen und Fenster geschlossen.
- Reden sie nicht mit ihren Nachbarn.
- Leisten sie keinen Widerstand.
- Wer nicht über Los geht wartet am Stadtrand

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Strange creatures around Liebigstraße

Berlin Friedrichshain 2013. Rain and more rain. After a rather contemplative apocalypse and the holidays strange creatures swarm our streets with a fixed gaze. Streetlights fade and in the firelight of burning garbage forgotten rituals are celebrated. Deliberately concealed by the media but not to be overlooked for those with open eyes:

LIEBIG 14 IS UNDEAD!

Mecklenburgische Str 57, Berlin Schmargendorf. At the Institute for Applied Zombology a tense calm prevails. The head, president Prof. Suitbert Franell seems concerned. „The virus is insidious and constantly changes his phenotype. If any residents are calling for a gathering after a regular increase in rent, immediately report it to the Institute. We will take further action. Dangerous symptoms come also under covers like „tenant counseling“ or „tenant initiatives“ -namely „Palisaden Panther“ or „Kotti & Co“. Be aware of unimpressive-sounding names like „Stille Straße“ or „Kirche von Unten“ as they quite often hide dangers not to be underestimated. In recent years, the infection via new media techniques much increased. Websites like „Zwangsraeumungen verhindern“, „Mietenstopp“ oder „Wir Bleiben Alle“ are just the tip of the iceberg.

The Institute developed analytical methods to predict zombie infestation at a local scale. It was found that certain dates and places bear a high risk potential. Certainly one spot is on 2 February at the crosspoint Rigaer Straße and Liebigstr. (In the jargon of some infected called „Dorfplatz“).

For this purpose, the expert notes „Between 12:00 and 16:00 CET zombies of all kinds are most likely to gang up at the Dorfplatz and dope themselves with coffee, glühwein and so-called“ Vokü „. Later they will intone hate anthems again the real estate industry together with musicians of all unkinds. Dangers from the resulting sound waves havent‘ been researched yet. However, even more dangerous are any activities of manifesting character which are believed to take place afterwards. Here our institute is still working on an effective counter-strategy.

For now, any good citizen will observe the following rules:

- Keep doors and windows closed.
- Do not talk to their neighbors.
- Do not put up resistance.
- Who does not pass GO has to waits at the outskirts “