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taz: Weiße Weste weg

Eine Exsekretärin packt aus: Suitbert Beulker, Eigentümer der Rigaer Straße 94, steht anscheinend vor dem Konkurs

Der Konflikt zwischen dem Hausprojekt Rigaer Straße 94 und dem Eigentümer Suitbert Beulker beschäftigt die Medien seit Jahren. Im Mai 2003 erreichte die Auseinandersetzung ihren Höhepunkt mit Polizeieinsätzen und einem Wachdienst, der die BesucherInnen des Hauses kontrollierte. Jetzt ist es ruhiger geworden. Beulkers Exsekretärin Franziska Hobrecht (Name auf Wunsch geändert) hat dafür eine Erklärung: Beulker, dem eine Baufirma und mehrere Häuser in Friedrichshain gehören, habe sich finanziell übernommen und stehe kurz vor dem Konkurs.

Sie muss es wissen: Drei Jahre lang war Hobrecht nicht nur Beulkers Sekretärin, sondern verwaltete inoffiziell auch seine Häuser. Zum Bruch kam es im September, nachdem sie monatelang keinen Lohn gesehen hatte.
Kurz danach nahm sie Kontakt mit den Bewohnerinnen des Hausprojektes Rigaer 94 auf: „Ich wollte Herrn Beulker die weiße Weste ausziehen.“

Chronische Geldnöte müssen bei Beulker an der Tagesordnung gewesen sein. Kurz vor ihrem Ausscheiden im September 2003 soll er […] Euro Schulden angehäuft haben. So seien schon mal Werkzeuge von den betroffenen Firmen als Pfand einbehalten worden. Häufiger seien auf Initiative von Gläubigern Beulkers Konten gesperrt worden.

Immer wieder habe sich der Unternehmer auf Kosten anderer finanziell Luft verschafft. 17 Beschäftigte seien entlassen worden, nachdem sie mehrere Monate keinen Lohn gesehen hätten. Teilweise habe Beulker Fördermittel vom Arbeitsamt weiter kassiert. Auch der Kleinkrieg mit den Bewohnerinnen der Rigaer 94 blieben Hobrecht nicht verborgen. Beulker habe wiederholt erklärt, er „werde das Haus schon leer bekommen“. Dabei soll er sich nicht nur juristischer Mittel bedient haben. Im Beisein der Sekretärin habe er einem Elektriker den „unkonventionellen Vorschlag“ gemacht, die Stromversorgung des Hinterhauses an den Baustellen-Starkstrom anzuschließen. Alle diese Angaben bekräftigte Hobrecht gegenüber der Justiz in einer eidesstattlichen Erklärung.

Die Bewohnerlnnen der Rigaer 94 sind von den Neuigkeiten nicht überrascht. Es habe in den letzten Wochen auch in den übrigen Beulker-Häusern Mieterversammlungen gegeben. Im Falle eines Konkursverfahrens rechne man damit, dass die Häuser unter Zwangsverwaltung kommen.

die tageszeitung, 23.12.2003